Seit Anfang der achtziger
Jahre ist die Schwarzwildstrecke in Niedersachsen explodiert. Wurden 1983 noch
9600 Schwarzkittel in Niedersachsen erlegt, so liegen heute die Jahresstrecken bei
fast 50.000 Stück. Die Steigerung ist in Niedersachsen deutlich stärker als im
Bundestrend von 180.000 auf über 500.000 Sauen.
Auch in Braunschweig sind die
Wildschweine auf dem Vormarsch. Vor 1985 war ein vereinzeltes Wildschwein im
Stadtgebiet eine Sensation, heute werden in manchen Jahren bis fast 100 Sauen
in Braunschweig zur Strecke gebracht, Tendenz steigend. Im Jagdjahr 2005 war die Strecke mit 57 Stück (2004: 65, 2003: 41) durchschnittlich,
was dem allgemeinen Trend entspricht.
Die Jäger verbuchen dies als einen Erfolg
der scharfen Bejagung in den Vorjahren, sehen aber mit Sorge, dass vorjährige
Frischlinge mit unter 30 kg Körpergewicht bereits frischen.
Eine anhaltend
scharfe Bejagung ist nötig, um eine weitere Ausbreitung und vor allem
Verkehrsunfälle mit Wildschweinen zu verhindern. Die EU hat Deutschland
verpflichtet, alle Möglichkeiten zur Reduktion der Wildschweine auszuschöpfen,
um einer weiteren Ausbreitung der Schweinepest entgegenzuwirken, die in den
vergangenen Jahren Massentötungen von Hausschweinen und Millionenschäden zur
Folge hatte. Derzeit werden wieder vereinzelt Schweinepestfälle registriert, es
darf also mit der Bejagung nicht nachgelassen werden.
Da Wildschweine wie oben
gesagt bereits im ersten Lebensjahr selbst Frischlinge zur Welt bringen können,
kann der Bestand sehr schnell wieder anwachsen. Als Grund für die starke
Ausbreitung werden die hohe Anpassungsfähigkeit der Schwarzkittel genannt, die
als ausgesprochene Kulturfolger selbst in Großstädte verstärkt einwandern. Auch
die guten Ernährungsbedingungen auf landwirtschaftlichen Flächen, wie zum
Beispiel in Maisfeldern, und die durch Anpflanzungen für Sauen günstigeren
Lebensräume tragen zur Ausbreitung bei. Zum Problem könnte der Ausbau von
Biogasanlagen werden, wenn diese mit Mais betrieben und somit zu einem
großflächigen Anbau führen würden.
Es ist Ziel der Jägerschaft, so viele Sauen
wie möglich in Braunschweig zu schießen, um Verhältnisse wie in Berlin oder
Wolfsburg, wo die Tiere in Grünanlagen und Gärten große Schäden anrichten, möglichst
zu verhindern. Deshalb wird auch das Europareservat Riddagshausen seit dem Jahr
2002 von der Jägerschaft bejagt und der Schwarzwildbestand wurde dort
erfolgreich reduziert. Die Sauen finden in den großen Schilfpartien ideale
Versteckmöglichkeiten und sie wühlen auf der Suche nach Nahrung das ganze
Naturschutzgebiet um.
Es ist mittlerweile wissenschaftlich erwiesen, dass ein
hoher Schwarzwildbestand einen extrem negativen Einfluss auf bodenbrütende
Vogelarten hat und somit die Schutzziele des Europareservates und
Vogelschutzgebietes Riddagshausen stark beeinträchtigt. Deshalb wird auch dort
den Sauen verstärkt nachgestellt. (hb)
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